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Beikost einführen, Allergien vorbeugen

Ab dem fünften Monat ist es so weit: Jetzt darf Ihr Baby Brei essen. Wenn es in Ihrer Familie Allergien oder Unverträglichkeiten gibt, müssen Sie ein paar Dinge beachten


Mmmmhhh, das schmeckt! Der erste Brei sollte aus Gemüse bestehen, dann kommen nach und nach weitere Nahrungsmittel hinzu

Gerade hat sich Ihr Baby an das Trinken von der Brust oder aus dem Fläschchen gewöhnt, steht schon wieder eine Veränderung an: der ­erste Brei. Wie Sie Beikost einführen, erklärt ­Ernährungsexpertin Annett Hilbig im Interview:

Wann ist das Baby bereit für Brei?
Die meisten Eltern erkennen das intuitiv: Wenn der Nachwuchs jeden Bissen auf dem Weg zum Mund der Eltern verfolgt, nach dem Essen greift und jede Eroberung in den Mund steckt – dann ist es so weit. Oft reicht Babys auch die Muttermilch nicht mehr, sie verlangen häufigere Mahlzeiten. Meist ist das ab dem fünften Monat der Fall.



Dr. Annett Hilbig ist Ernährungswissenschaft- lerin am Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund

Welchen Brei geben Eltern dann?
Für die ersten Essversuche eignet sich Gemüse. Beliebt sind Möhren, weil Kinder den leicht süßlichen Geschmack mögen. Sie können aber auch Kürbis oder Pastinake nehmen. Mit ihrem ­ers­ten Brei lernen die Kinder vom Löffel zu essen und zu schlucken. Können sie das, kommt jeden zweiten Tag ein neues Lebensmittel dazu – Kartoffeln, Fleisch, Öl und Saft – bis der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei komplett ist. Etwa vier Wochen später bekommen sie einen Getreidebrei aus Vollmilch, Getreideflocken und Obst oder Saft. Nach einem weiteren Monat vervollständigt ein Getreide-Obst-Brei den Speiseplan.

Und wenn das Kind den Brei verweigert?
Dann kann man ein paar Tage warten und erneut Brei anbieten. Eltern brauchen einfach Geduld. Mag das Baby keine Milch, kann diese weiter über das Stillen angeboten werden. Manche Kinder mögen lieber Gemüse statt Obst mit Getreide, andere wollen gleich Brot. Auch das ist kein Problem, solange sie es kauen und schlucken können.


Allergien und Unverträglichkeiten vorbeugen

  • Der Allergie-Plan

    Die Situation: Mama Marie leidet unter Neurodermitis und ist auch auf Hausstaub allergisch. Kann sie ihren Sohn Lukas schon durch die Beikost schützen?

    Die Brei-Lösung: Lange erhielten die Eltern aller­giegefährdeter Kinder strenge Anweisungen: ein halbes Jahr ausschließlich stillen, kein Fisch, kein Weizen und keine Kuhmilch im ersten Jahr. Doch diese Zeiten sind zum Glück vorbei. „Neue Studien haben gezeigt, dass ein eingeschränkter Speiseplan keine Allergien vermeidet“, erklärt Dr. Annett Hilbig, Expertin für Säuglingsernährung am Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Allergiegefährdete Kinder dürfen heute wie alle anderen im fünften Monat den ersten Brei probieren. Dabei ist Vielfalt sogar erwünscht. Denn lernt das Immunsystem früh verschiedene Lebensmittel kennen, reagiert es seltener allergisch auf neue Stoffe. „Wir wissen jetzt, dass der früher verpönte Fisch sogar eine positive Wirkung auf Neurodermitiker-Kinder hat“, sagt Hilbig. Eltern können also dem ganz normalen Plan zur Breieinführung folgen (siehe Interview oben). Allerdings empfiehlt die Fachfrau, jeweils zwei Tage Pause zu lassen, bevor die Kinder ein neues Nahrungsmittel essen. So können Eltern allergische Reaktionen (Durchfall, Erbrechen oder Hautausschläge) erkennen.


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  • Die Fleisch-Frage

    Die Situation: Anne und Thomas sind Vegeta­rier und wollen auch ihr Töchterchen Sonja vegetarisch ernähren.

    Die Brei-Lösung: Nach sechs Monaten sind die Eisenspeicher im Körper von Säuglingen ziemlich erschöpft. Auch über die Muttermilch nehmen sie nicht genug Eisen auf. Bekommen die Kleinen dann kein Fleisch – den Hauptlieferanten von Eisen –, brauchen sie eisenhaltiges Getreide. „Mischen Sie in den Gemüse-Kartoffel-Brei etwa zehn Gramm Haferflocken oder anderes Getreide, und verwenden Sie einen Saft mit hohem Vitamin-C-Gehalt, zum Beispiel Orangensaft. Das erleichtert die Aufnahme des Eisens“, empfiehlt Annett Hilbig. Von einer rein veganen Ernährung – also ohne Milch, Milchprodukte und Eier – rät die Ernährungswissenschaftlerin ab. Denn in diesen Lebensmitteln stecken Kalzium, Eiweiß und wichtiges Vitamin B 12. „Vegan ernährte Kinder leiden häufig unter Entwicklungs- und Wachstumsstörungen“, sagt Annett Hilbig. Denn der Mangel an Vitamin B 12 lässt sich nur schwer beheben.


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  • Die Getreide-Wahl

    Die Situation: Papa Stephan hat Zöliakie. Was müssen die Eltern beim Brei für Sohn Oliver beachten?

    Die Brei-Lösung: Etwa jeder Tausendste hat hierzulande eine Unverträglichkeit gegen das Kleber-Eiweiß Gluten. Es ist in hohem Anteil in Getreiden wie Weizen und Dinkel enthalten, aber auch in Hafer, Roggen und ­­Gerste. Die Betroffenen leiden oft an Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen und verlieren Gewicht, wenn sie Glutenhaltiges essen. Die Betroffenen müssen sich ein Leben lang glutenfrei ernähren. Zöliakie ist zum Teil genetisch bedingt. Eltern können das Risiko, dass ihr Kind erkrankt, mit der richtigen Breieinführung senken. „Wir empfehlen, zwischen dem fünften und siebten Monat Gluten einzuführen, während das Kind noch Muttermilch bekommt“, rät Expertin Hilbig. Dem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei wird eine Messerspitze glutenhaltiges Getreide zugefügt. „Das ist besser als eine große Menge auf einmal. Es reicht, Kinder an Brot lutschen zu lassen.“ Eltern sollten ihr Baby genau beobachten: Bekommt es Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall, muss ein Arzt klären, ob es Zöliakie hat.


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Von Anfang an gegensteuern

  • Ob ein Kind eine Allergie entwickelt, ist zum Teil genetisch bedingt. Reagieren beide Eltern allergisch, steigt das ­Risiko, dass auch der Nachwuchs erkrankt, auf bis zu 70 ­Prozent.
  • Um einer Allergie vorzubeugen, ­empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und ­klinische Immunologie, Babys in den ­ersten vier Monaten voll zu stillen.
  • Ist das nicht möglich, sollten allergiegefährdete Kinder hypoallergene Milch („HA-Milch“) bekommen. In dieser Säuglingsnahrung ist der ­Eiweißanteil v­erändert und damit ­weniger allergieauslösend. ­Lassen Sie sich von Ihrem ­Kinderarzt beraten!


Annett Zündorf / Baby und Familie; 03.01.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Martina Ibelherr, Marina Raith

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